Viel mehr als nur schön bunt - Der Equizaum ist ein echter Ausbildungshelfer

Linus und ich sind seit einigen Wochen stolze Botschafter des Equiteams und nach einer ausgiebigen Testphase, möchte ich euch nun erzählen wie ich ihn einsetze und ob er wirklich so gut ist, wie viele behaupten.

Und weil ich Cliffhanger hasse, dies gleich mal vorweg: ja, ist er. Und sogar noch besser! Aber eins nach dem anderen.

 

Ich habe schon sehr lange mit diesem Multifunktionszaum geliebäugelt, den man sich ganz individuell aus über 20 verschiedenen Farben zusammenstellen kann. Mich interessierten besonders zwei der Nutzungsmöglichkeiten. Einmal natürlich die Kappzaum-Funktion. Ich habe auf diesem Gebiet bis jetzt keine wirklich zufriedenstellenden Produkte gefunden. Entweder war die Passform schlecht, der Sitz nicht gut oder der Kappzaum passte zwar, aber eben nur auf ein Pferd. Ich habe aber viele unterschiedliche Pferde zur Ausbildung bei mir, und jedes davon wird auch mit Kappzaum ausgebildet. Daher ist es für mich wichtig, dass dieser in möglichst vielen Teilen variabel ist, damit er möglichst vielen Pferden passt und ich wirklich sinnvoll trainieren kann.

 

Ganz besonders neugierig und auch voller Erwartungen war ich aber auf die Trensenfunktion mit Weiche.Warum, erzähle ich euch gleich.

Als ich meinen Equizaum dann auspackte und das erste mal „live“ in der Hand hielt, war ich gelinde gesagt baff von der Qualität dessen, was ich da vor mir hatte. Wer nämlich glaubt, es handelt sich um ein plastikähnliches Zaumzeugdings mit Ringen zum Longieren dran, der irrt ja so was von! Der Equizaum ist von hervorragender Materialqualität, was man im allerpositivsten Sinne auch sofort am Gewicht spürt. Kein fusselleichtes Ding, sondern ein solides Pferdeprodukt mit dezenten aber echten Schnallen (kein Plastikzeug, dass nach dreimal Verstellen auseinanderbricht). Die Verarbeitung ist hochwertig, sauber und akkurat. Ganz besonders gefielen mir auf Anhieb die Neckpatches. Die Verarbeitung ist vom Feinsten, was sicher anspruchsvoll ist, geht es doch hierbei auch darum, die Nähte so laufen zu lassen, dass sie nicht mit dem Pferd in Berührung kommen um Druckstellen zu vermeiden. So wie sie aussehen und so wie sie sich anfühlen, nämlich leicht, fluffig und durch ihre große Auflagefläche gleichzeitig solide, war ich schon vor dem ersten Ausprobieren davon überzeugt, dass sie den Tragekomfort im Vergleich zu einer herkömmlichen Trense um ein Vielfaches erhöhen.

 

Der erste Eindruck den der Equizaum hinterließ, war also schon mal sehr beachtlich. Ich muss glaube ich nicht erwähnen, das der Equizaum auch einfach mega aussieht, oder? Stilvoll in schwarz mit einem Tüpfelchen lila und natürlich mit Linus`Namen drauf. Top!

Die vielen Möglichkeiten, den Zaum ganz individuell auf den Pferdekopf anzupassen sind sensationell. Ich habe noch nie solange an einem Zaum rumgebastelt wie an diesem. (Ich bin ein Perfektionist und kann mich wirklich in so was reinsteigern… ;-) ) Am Pferd sieht der Equizaum übrigens natürlich nochmal besser aus, als bloß in meiner Hand. Obwohl ich eine bekennende Glitzer und Funkelfreundin bin und mein tolles Lackstirnband mit Perlen und Swarowskikristallen wirklich sehr liebe, so muss ich doch sagen, je purer der Zaum ist, umso mehr sieht man vom Kopf meines wunderschönen Pferdes und dabei geht mir das Herz auf. Ganz toll finde ich, dass durch die tief angebrachten Schnallen zwischen den Neckpatches und den Backenstücken, das Kiefergelenk beidseitig völlig frei liegt. Ein freiliegendes Kiefergelenk, ohne drückende oder scheuernde Schnallen ist elementar wichtig um eine freie Tätigkeit dieses empfindlichen Gelenkes zu gewährleisten. Leider sieht man ganz oft Trensen und Zäumungen, bei denen die Schnallen genau dort aufliegen.

Also bis jetzt Qualität top, Passform top, Aussehen top, Funktionalität top. Nun geht`s an die Praxis.

 

Wie schon gesagt, war ich auf eine Funktion ganz besonders neugierig: die Trensenfunktion mit Weiche. Und zwar aus folgendem Grund:

Linus ist ein sehr feines Pferd. In allem. Und natürlich wirkt sich das auch auf seine Maulempfindlichkeit aus. Er quittiert eine zu unflexible Hand oder zu großen Druck stets gleich: er weicht sofort hinter den Zügel aus, knickt im Genick weg und taucht hinter die Hand. Das ist für mich zwar ein super Kontrollmechanismus und erzieht mich zu einem wirklich feinen, handunabhängigen Reiten, aber gerade im Erlernen von neuen, anspruchsvolleren Übungen, die einen erhöhten Versammlungsgrad erfordern, geht das auch leider manchmal in die Hose.

Neben seiner Empfindsamkeit, bringt er zusätzlich ein etwas überdimensioniertes Schubpotential mit und Last aufzunehmen fällt ihm schwer. Der liebe Gott hat es ziemlich gut mit ihm gemeint, als er die Schubkraft vergeben hat, denn davon hat er mehr als genug. Das wird immer dann zum Nachteil, wenn sich dieser Schub unkontrolliert nach vorne entwickelt. Zusätzlich ist aber seine Versammlungsfähigkeit aufgrund seines geraden Rückens eher mäßig ausgebildet und die Kombination aus den beiden Eigenschaften ist denkbar ungünstig. Das Versammeln im Galopp ist z. B. so ein Fall. Große, raumgreifende, aber eher flache Sprünge sind überhaupt kein Problem – wir sind in null komma nix vom Start am Ziel! Etwas gesetztere, kadenzierte Sprünge hingegen, sind eine große Herausforderung. Die immense  Schubkraft sinnvoll zu reduzieren, sich mehr zu tragen und den Rücken entsprechend zu wölben, ist für uns eine echte Herausforderung. Und wenn es mir nicht gelingt, Linus vor einem Übergang, einem Wechsel oder einer versammelten Lektion gut vorzubereiten, seinen Schub zu kanalisieren, seinen Körperschwerpunkt in Richtung Hinterhand zu verlagern und am Sitz auch dort zu halten, „brummt“ er mit ganz viel Schmackes nach vorne auf die Hand. Wenn das passiert, dann bricht die Energie mit aller Macht nach vorne, kommt ungefiltert am Maul an und logischerweise nimmt er sich dann selbst sofort den Druck, indem er sich hinter die Hand wegrollt. Da in Lernprozessen selten alles gut läuft, stehen wir das ein oder andere mal an genau dieser Stelle. Um eine Lösung aus der Misere zu finden, habe ich bereits verschiedene Dinge ausprobiert (z. B. mit Trense und Kappzaum vierzügelig geritten), aber nichts war wirklich so effektiv wie es mir gewünscht hätte. Und ganz ehrlich, vierzügelig ist einfach nicht mein Ding…

Und jetzt kommt der Equizaum ins Spiel. Durch die Weichenfunktion kann die Einwirkung des Zügels anteilig auf das Gebiss UND den Nasenrücken verteilt werden. Die dafür vorgesehenen Ringe am Reithalfter sitzen perfekt an der Seite und nicht in Richtung Nasenrücken, wie bei den meisten Kappzäumen. Der Zügelverlauf wird also nicht umgelenkt. Durch die „Abzweigung“ vorn am Zügel (eine führt zum Gebiss, eine zum Reithalfter) kann ich mir das zweite paar Zügel komplett sparen und ganz „normal“ reiten.

 

Ich habe ein bisschen gebraucht, bis ich die für uns richtige und sinnvolle Einstellung gefunden habe. Dafür habe ich, den eigentlich für den Trensenring vorgesehen Karabiner abmontiert (eine Macke meinerseits, ich möchte soviel Ruhe und Leichtigkeit wie nur möglich am Gebiss und benutze daher immer die direkte Verbindung vom Zügel/Leder zum Trensenring. Auch in der Längeneinstellung musste ich etwas herumtesten, da ich eine möglichst exakt gleichmäßige Verteilung auf das Gebiss und das Reithalfter erreichen wollte. Nach einigen Testläufen hatte ich aber die für uns richtige Einstellung gefunden.

Ein total megaschöner Nebeneffekt: Meine Zügel sind nun herrlich lang. Ich glaube nicht, dass meine Zügel vorher zu kurz waren, aber durch die Verlängerung erscheinen sie mir noch besser und komfortabler.

Und was soll ich sagen? Die gleichmäßige Verteilung der Zügelwirkung auf Gebiss und Reithalfter hat für Linus und mich einen ganz tollen Effekt! In schwierigen Situationen, so wie ich sie oben beschrieben habe, fängt das Reithalfter nun einen Anteil der Energie ab und das findet Linus super. Er bleibt stabil in der Anlehnung, kann sich in kritischen Momenten sogar besser auf der Hand abstützen um sein Gleichgewicht wiederzufinden, da sein Maul nun deutlich geschont wird. Mir gibt die Weichenfunktion ein sehr sicheres Gefühl, da ich nun weiß, sollte es mal wieder schwierig werden, nimmt Linus meine Hand nicht als Störfaktor wahr und verliert vielleicht das Vertrauen in sie. Mit der Kombination Trense/Weiche ist es mir in relativ kurzer Zeit gelungen, die Qualität unseres versammelten Galopps deutlich zu verbessern. Und zwar nachhaltig, denn dadurch, dass Linus lernen konnte sich reell am Gebiss/Reithalfter abzustoßen, ohne sich zu verkriechen, klappen die schwierigen Übungen jetzt auch, wenn ich ausschließlich die Trensenfunktion über das Gebiss nutze.

Mich hat der Equizaum vollends überzeugt und ich freue mich schon sehr darauf, welche Erlebnisse ich mit ihm auf anderen Pferden haben werde.

In der Ausbildung von Pferden kann man mich wohl getrost einen Perfektionisten und Tüftler nennen. Mit dem Equizaum habe ich ein „Werkzeug“ an die Hand bekommen, dass genau nach meinem Geschmack ist: multifunktional, verstellbar in kleinsten Einheiten (nicht in den üblichen 2 cm Lochabständen, mit denen man oft so gar nicht hinkommt…) um auch feine Veränderungen erreichen zu können und so clever konzipiert, dass ich mir ganz sicher bin, ich habe noch lange nicht alle Möglichkeiten erkannt.

 

Ich freue mich wirklich sehr, dass Linus und ich nun zum Equiteam gehören und einen ganz besonderen Respekt empfinde ich für die klugen und innovativen Köpfe hinter dem Equizaum, denn mit ihrer Arbeit beweisen sie, wie wichtig Detailverliebtheit und Fachwissen sind, und was man erreichen kann, wenn man für eine Sache brennt.

 

Der Equizaum begleitet Linus und mich natürlich ab jetzt auch auf unseren Veranstaltungen und wer sich live davon überzeugen möchte, oder Fragen hat, der kann uns z.B. am 07.Juli auf der CAVALLO Academy treffen. Wer Fragen hat und bis dahin nicht warten kann, der schreibt mir einfach!